Das Aalenium
von Ulrich Sauerborn

Das Aalenium wird definiert
Berühmte Versteinerungen
Schelfmeer-Ablagerungen
Das Aalenium vor Ort

Die Bezeichnung "Mekka der Geologen" für unsere Stadt Aalen wird heute immer wieder als touristisches Schlagwort verwendet. Daß diese Bezeichnung tatsächlich einen sehr ernsthaften Hintergrund hat und nicht bloß als Phrase gesehen werden kann, soll in diesem Bericht über die interessante geologische Vergangenheit und über die Forschungsgeschichte der nach unserer Stadt bezeichneten geologischen Schicht "Aalenium" aufgezeigt werden. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts begann sich die Wissenschaft intensiv mit dem geologischen Aufbau unserer Schwäbischen Alb und mit den darin vorkommenden Versteinerungen, als Petrefakten bezeichnet, auseinanderzusetzen. Damals stand auch der Bergbau auf Eisenerz in den Gruben in Aalen und Wasseralfingen in voller Blüte, was natürlich dazu führte, daß alle bedeutenden schwäbischen Geologen in unseren Raum kamen, um sich vor Ort diese ausgezeichneten Aufschlüsse anzusehen und zu studieren. Mit dem gewinnbringenden Erz, das von den Schwäbischen Hüttenwerken in ihrem Hochofen Wasseralfingen verhüttet wurde, gelangten zudem ständig einmalige Versteinerungen aus der Tiefe unserer Schwabenalb ans Tageslicht. Das war eine große Besonderheit, denn diese durch den Bergbau erschlossene Schicht des Unteren Braunjura war sonst auf der Schwäbischen Alb nur schlecht oder gar nicht aufgeschlossen. Deshalb erreichte die Aalener Bucht mit den Bergwerken in Aalen und Wasseralfingen in der Geologie europaweit Bedeutung und Berühmtheit. Was nicht zuletzt durch die internationale Stufenbezeichnung "Aalenium" belegt wird.

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Da ein direkter Zusammenhang zwischen der Bergbaugeschichte in der Aalener Bucht und der Einführung der Bezeichnung "Aalenium" besteht, soll nachfolgend kurz darauf eingegangen werden. Die Anfänge des Bergbaus und damit die geologische Tradition des Aalener Raums reichen bis in die Zeit der Kelten und Römer zurück. Intensiv Bergbau betrieben wurde wohl aber erst ab dem Jahre 1365, als Kaiser Karl IV. dem Grafen Ulrich d. J. vom Adelsgeschlecht der Helfensteiner das Bergbauregal verlieh und die Nurzung der Eisenerzlagerstätten für rechtens erklärte. Zu dieser Zeit wurde das Erz noch im Tagebau gewonnen. Doch schon im 17. Jahrhundert begann man in Aalen in der Grube am Burgstall mit dem Abbau im Stollen. Die Wasserlalfinger Anlage am Braunenberg folgte im Jahre 1715. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts nahm die Bedeutung des Bergbaus rasch zu. Der Schwerpunkt der Erzförderung verlagerte sich von Aalen nach Wasseralfingen. Sie beeinflußte entscheidend die strukturelle und wirtschaftliche Entwicklung unseres Raumes. 1861 wurde die Bahnlinie zwischen Stuttgart und den Hüttenwerken in Wasseralfingen eröffnet; 1872/73 zählten allein die Berg- und Hüttenwerke in Wasseralfingen 1647 Beschäftigte. Das Hüttenwerk war vom Umsatz her der größte Industriebetrieb Württembergs. Doch dann ging es langsam bergab mit der Eisenproduktion auf der Ostalb. Ab 1880 drängte billigeres Erz aus Lothringen auf den Markt. Die Hüttenwerke gerieten in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die Produktion wurde zurückgefahren. Autarkiebestrebungen während des Ersten und dann auch des Zweiten Weltkriegs belebten zwar noch einmal den Abbau. 1948 fand er dann mit der Stilllegung der Aalener Grube am Burgstall sein Ende. Die wirtschaftliche Bedeutung des erzhaltigen Gesteins intensivierte seine geologische und paläontologische Erforschung. Vor allem in der Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen grundlegende wissenschaftliche Studien. Sie unterstrichen die Bedeutung der Aalener Bucht für die Erdwissenschaften. Schon 1854 benannte der französische Geologe D`Orbigny einen Teil des Braunjura als "Aalenium". Bekannt machte diese Bezeichnung aber erst eine lithographische Tafel des Schweizer Geologen C. H. Meyer-Eymar aus dem Jahre 1864, die die unteren Braunjuraschichten mit "Etagé Aalenien, Aalenstufe, Aalenio oder Aalenseries" bezeichnete. Der Begriff "Aalenium" fand nun schnell Eingang in die wissenschaftliche Literatur. Doch vertraten die vielen Autoren, die ihn benutzten, unterschiediche Auffassungen über die stratigraphische Reichweite der Stufe. Umstritten war vor allem die Abgrenzung zum Lias. So rechneten Haug 1910 , Arkel 1933 und Maubeuge 1964 den obersten Lias schon zum "Aalenium". Endgültige Klarheit in diesem Punkt schuf dann das Jura-Kolloquium des Jahres 1962 in Luxemburg, das den Beginn des "Aalenium" verbindlich mit dem Unteren Dogger festlegte. Das "Aalenium" entspricht damit Quenstedts Braunjura alpha und beta. Exakt biostratigraphisch bestimmt wird das "Aalenium" durch die Zonen der Ammoniten Leioceras opalinum, Ludwigia murchisonae und Graphoceras concavum. Auf der Ostalb tritt der Schichtkomplex des "Aalenium" als ca. 150 m mächtige Ton- und Sandsteinserie auf, die sich außerordentlich landschaftsprägend zeigt. Der untere Abschnitt des "Aalenium", der Braunjura alpha oder Opalinuston, erreicht über 100 m Mächtigkeit. Fast die ganze Stadt Aalen liegt in dieser einförmigen Tonsteinlage. Quenstedt machte 1843 dazu eine interessante Bemerkung im "Flözgebirge" (S. 289): "Die Vorhöhen sind mit mächtigen braungelben Kalkgeschieben und Sandsteinen bedeckt, unter denen jedoch deutlich die dunklen Thone des Opalinus anstehen, die übrigens in verschiedenen Bierkellern südlich von Aalen im Kocherthalgehänge durch Kunst trefflich aufgeschlossen sind..." Als Rohmaterial für die Ziegelherstellung spielen diese Schichten eine gewisse wirtschaftliche Rolle. So wurde der große Ziegeleibetrieb der Firma Trost vom Aalener Stadtteil Greut 6 km nach Westen verlegt und liegt heute vor der Gemeinde Essingen. Direkt von der Bundesstraße aus erkennt man gut die große Tongrube mit dem Ziegelwerk. 1975 entdeckten dort Hobbyfossiliensammler in den sonst äußerst fossilarmen Tonen besterhaltene Seelilienkronen von Cheirocrinus württembegicus, was einer kleinen wissenschaftlichen Sensation nahe kam. Wesentlich differenzierter ist das zweite Glied des "Aalenium" ausgebildet, die rund 45 m mächtige Eisensandsteinserie des Braunjura beta. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung wurde sie, wie bereits bemerkt, intensiv untersucht. Wichtige Arbeiten stammen von J. Schuler (1865), H. Gropper (1925), P.Groschopf (1957), H.-S. Weber (1964) und E. Rogowski (1971), um nur einige zu nennen. Im unteren Drittel des Gesteinpakets liegen vor allem dicke Sandsteinbänke. Bekannt ist der leuchtend gelbe Donzdorfer Sandstein, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Baustein eine bedeutende Rolle spielte. Der leicht zu bearbeitende Stein fand aufgrund seiner schönen rötlich-gelben Färbung Verwendung für Bauten von Kirchen, Rathäusern und Portalen von öffentlichen Gebäuden. Wer sich in der Stadt genau umsieht, wird diesem Sandstein des öfteren begegnen, so zum Beispiel im Bereich der Mauer des St.-Johann-Friedhofs, an den historischen Stadtmauerresten beim Alten Rathaus und als Fassadenstein an der Aalener Stadtkirche. Wirtschaftlich weitaus wertvoller waren die drauffolgenden, in tonige und flaserige Sandsteine eingeschalteten Eisenoolithlagen. Bis zu zehn Erzflöze konnten nachgewiesen werden, von denen aber nur zwei, das sogenannte Untere Flöz mit einer Mächtigkeit von etwa 1,7 m und das Obere Flöz mit einer Mächtigkeit von etwa 1,4 m sowie einem Eisengehalt von bis zu 38% abbauwürdig waren.

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Wandtafel: Taxonomie und NomenklaturDie Petrefakten, praktisch als Nebenprodukt des Erzes mit ans Tageslicht gefördert, erlangten schnell Berühmtheit. Besonders solange das Erz von Hand bearbeitet wurde, flossen die Funde reichlich. Genaueres liest man bei O. Fraas (1871, S. 13): "Der berühmte Petrefakten-Reichthum des Wasseralfinger oberen Flözes, der seinerzeit alle europäischen Museen mit den prachtvollen Exemplaren des Amm. Murchisonae, Subradiatus, Niortensis, Eudesianus, Nautilus lineatus, aperturatus, Belemn. spinatus, Pecten demissus, Asterias prisca und einer Reihe der seltensten Reste von Sauriern, Fischen und Krebsen versehen hat, ist seit Anfang der 50er Jahre verschwunden und stammt namentlich aus der Zeit der 30er und 40er Jahre, da der Abbau des oberen Flötzes durch Schrämmarbeit im Dachstein geschah. Seit das obere, wie das untere Flötz durch Schrämme in das Sohlgestein abgebaut wird, gehören Petrefakten zur Seltenheit." Erste Beschreibungen der Petrefakten erschienen schon wesentlich früher. Hervorzuheben ist die fantastische Arbeit des Königl. Württ. Majors C. H. von Zieten mit dem Titel "Die Versteinerungen Württembergs" (1830/33). Er bildet unter anderem auf den handkolorierten Lithographietafeln des Werkes eine ganze Kollektion von Versteinerungen aus dem Wasseralfinger Bergwerk in der typisch rotbraunen Farbe außerordentlich schön ab. Klar, dass auch im buntbebilderten Petrefaktenbuch von F. U. Schmidt, das 1855 in Stuttgart erschien, Aalener Erzversteinerungen abgebildet und beschrieben wurden. F.A. Quenstedt, der Vater der schwäbischen Paläontologie, behandelte die Braunjura-beta-Fossilfauna der Ostalb schwerpunktmäßig in seinen bedeutendsten Arbeiten: 1886 schrieb er in "Die Ammoniten des Schwäb. Jura", Bd. II (S. 457): "Berühmt seit langer Zeit sind die roten Ammoniten von Aalen und Wasseralfingen, begleitet von Nautiliden und grossalveoligen Belemnites spinatus..." Die Fossilien der Eisensandsteinserie konzentrieren sich auf bestimmte Lagen, während das Gestein sonst ausgesproche fossilarm ist. Als häufigste Versteinerungen treten die Muscheln deutlich in den Vordergrund. Millionenfach findet man sie oft in schönster perlweißer Schalenerhaltung in den Erzhorizonten zusammengespült. Treffenderweise bezeichnet man diese Lage als Pectinitenkalk, abgeleitet von der kleinen Kammuschel Pecten personatus, heute als Paramussium pumilum bezeichnet. Größere Muschelformen wir Entolium demissum machen sich dagegen äußerst rar. Daneben fanden sich besterhaltene Echinodermenreste von Seesternen, Schlangensternen und Seelilien. Krebsreste bildeten manchmal den Kern der "Erzkugeln". In diesen harten, zum Teil kalkigen Kugeln, die immer wieder im weicheren Erz auftraten, verbarg sich oft noch weitaus Sensationelleres: Wirbeltierreste wie Zähne und Flossenstacheln von Haien und Seekatzen, Reste von Knochenfischen und Überbleibsel von Plesiosauriern und Krokodilen, Funde, die zum ersten Mal überhaupt in dieser Schicht entdeckt wurden und überregionale Beachtung fanden. Eine Sammlung solcher Stücke präsentierte Quenstedt 1858 in seinem "Jura" auf den Tafeln 47-49 und benannte die bis dato meist unbeschriebenen Petrefakten gleich dutzendweise mit dem Artnamen Aalensis, so beispielsweise die Auster Plagiostoma Aalensis oder den Knochenfisch Pholidophorus Aalensis. Verglichen mit der Menge des abgebauten Erzes müssen außerordentliche Petrefaktenfunde als extreme Ausnahme gelten. Auch Ammoniten oder Nautiliden, die immer noch häufiger im Erz auftraten als Wirbeltiere, orteten die Bergleute während der Arbeit eher zufällig oder nur dann, wenn ihnen eine stark fossilführende Schicht direkt ins Auge sprang. Als beste Fundhorizonte werden die Dachbank des Oberen Flözes und die Dachbank des Unteren Donzdorfer Sandsteins, außerdem Erzlagen mit reichen Muschelanhäufungen, die sogenannten oolithischen Schalentrümmerlagen, angegeben. Den Bergleuten blieb sicher nicht verborgen, dass die Versteinerungen einen gewissen Wert hatten und sich in einschlägigen Kreisen leicht an den Mann bringen ließen. Eine Möglichkeit für die nicht gerade gut bezahlten Schwerarbeiter, ihren Lohn aufzubessern. Selbst die Schwäbischen Hüttenwerke als Betreiber des Bergwerks scheinen offiziell Petrefakten verkauft zu haben. Mindestens berichtet Quenstedt immer wieder, dass er von einem Inspektor Berner aus Wasseralfingen Versteinerungen erworben habe. Ihre Erhaltung war recht unterschiedlich. Muscheln sprangen meist in schönster Schalenerhaltung aus dem Gestein und mußten überhaupt nicht mehr präpariert werden. Bei den Kopffüßern trat diese Erhaltung viel seltener auf. Die Gehäuse hafteten häufig fest im Gestein. Fast immer waren sie mit einer dünnen Erzschicht überzogen, die sich kaum von der Schale entfernen ließ. In diesen Fällen half dann meist Schleifpapier, das Fossil soweit freizulegen, bis sich die Lobung zeigte. Vielfach halbierte man auch den Kopffüßer und erhielt so die mit Calcit herrlich ausgekleideten Kammern. Auf diese Weise präparierte Stücke entdeckt man in vielen alten Sammlungen.

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Schelfmeer-Ablagerungen Abgelagert wurden die Sedimente des "Aalenium" in einem ausgedehnten mitteleuropäischen Meeresbereich, wahrscheinlich einem relativ flachen Schelfmeer, teilweise mit wattmeerähnlichem Charakter. Darauf weist besonders die Gesteinsserie des Oberaalenium (Braunjura beta) hin. Sand- und Tonschüttungen wechseln ab, Schichtflächen zeigen Strömungsreliefs und Wellenrippel. Dazu entdeckt man zwischen den Erzflözen stark von Bodenlebewesen (evtl. Krebsen) durchwühlte Sedimentbereiche; die Bergleute bezeichneten sie als Sandflaserschichten und Zopfplatten. Die fossile Fauna bestätigt dieses Bild. Deutlich treten Muscheln in den Vordergrund. Sie sind wie Krebse und Seesterne typische Flachmeerbewohner. Die Hartteile von Ammoniten, Belemniten und Nautiliden, Tiere, die eher tiefes Wasser bevorzugten, wurden wahrscheinlich in die flacheren Wasserzonen eingespült, wofür auch ihre nesterartige Konzentration in bestimmten Lagen spricht. Bis heute konnte noch nicht ganau geklärt werden, wo das Ursprungsgebiet der Sedimente lag. Untersuchungen der Schichtung und die Körnigkeit der Sandablagerungen lassen auf ein Festlandsgebiet über 100 km nach Osten und Nordosten schließen. Die Annahme küstennaher Meeresbereiche, deren Sedimente von einer im Südosten gelegenen Landmasse stammen, konnte durch Bohrungen in den 50er Jahren unseres Jahrhunderts nicht bestätigt werden.

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Das "Aalenium" läßt sich auch heute noch an seiner Typuslokalität studieren, obgleich viele der historischen Aufschlüsse verschwunden sind. Das Unteraalenium ist westlich von Aalen bei Essingen in der großen Tongrube der Firma Trost aufgeschlossen. Dort steht der mittlere Bereich des über 100 m mächtigen Opalinustones an. Leider ist die Fossilführung jedoch äußerst spärlich. Diese Schichten treten auch immer wieder während Bauaufschlüssen im Stadtbereich von Aalen auf. Üblicherweise trifft man die besten Versteinerungen des Unteraalenium in Kalkknollen im Basisbereich dieser Gesteinsserie an. Diese Zone, etwa 2 m mächtig, ist aber durch natürliche Aufschlüsse kaum einmal erfasst. Dagegen erlauben Baumaßnahmen in den Aalener Stadtteilen Dewangen, Hammerstadt und in Wasseralfingen im Weidenfeld und am Schimmelberg in den letzten Jahren recht schöne Ammonitenfunde. Durch die Erföffnung des Besucherbergwerks "Tiefer Stollen" in Aalen-Wasseralfingen im Jahre 1987 kann man nun das Oberaalenium direkt an historischer Stelle studieren. Abenteuerlich rattert die Grubenbahn 500 m in das Herz des Bergwerks hinein und emöglicht dem geologisch interessierten Besucher, an den vor über 100 Jahren angelegten Decken und Wänden faszinierende geologische Einzelheiten wie Schichtabfolge, Wühlgefüge von Watt-Tieren, Wellenrippel und vieles andere meh zu untersuchen. In der im Jahre 1991 eröffneten Erzabbaukammer lassen sich sogar mehrere Fossilanreicherungen direkt in den Erzschichten feststellen. Bei Oberalfingen existiert noch ein zweiter uralter Aufschluß, den der berühmte Bergdirektor Schuler von den Schwäbischen Hüttenwerken bereits 1857 stratigraphisch aufgenommen hatte. Es ist die steile Klinge rechts des Weges zur Ruine Hohenalfingen, die sehr schön den Übergang vom gelb leuchtenden Donzdorfer Sandstein zum rostroten ersten Flöz zeigt. Hier kann man mit einigem Glück noch Versteinerungen aufsammeln, wobei es sich in erster Linie um Muscheln handeln dürfte. Eine ganze Reihe von aktuellen Aufschlüssen boten sich in den vergangenen Jahren. So waren die erzführenden Aaleniumschichten z. B. in den Neubaugebieten im Grauleshof, im Zochental und im Jahre 1991 während Kanalisationsarbeiten in Röthardt großflächig aufgeschlossen. Dort konnten interessante neue Fossilfunde gemacht werden. Außerdem wurde die Schichtenfolge durch Mitglieder der Geologengruppe Ostalb e. V. stratigraphisch bearbeitet. Aufgrund des lang anhaltenden Bergbaus in den Eisenerzen sollte man meinen, dass sich in den Museen der Ostalb große Sammlungsbestände der berühmten Versteinerungen befinden. Dem ist leider nicht so. Die ursprünglich umfangreiche Sammlung der Schwäbischen Hüttenwerke ist während der Kriegswirren bis auf wenige Exemplare verlorengegangen. Eine hervorragende Auswahl der im Aalener Raum vorkommenden Versteinerungen, darunter natürlich auch Erzfossilien, zeigt immerhin das Urweltmuseum-Geologie und Päläontologie in Aalen, das direkt im Stadtzentrum im historischen Rathaus mit dem Spionenturm untergebracht ist. Auch in Wasseralfingen läßt sich im neu eröffneten Heimatmuseum an der Stadtkirche eine schön präsentierte Auswahl von Bergwerksfossilien bestaunen. Glücklicherweise gelangten im 19. Jahrhundert große Bestände der schönen Aalener und Wasseralfinger Erzfossilien in alle wichtigen europäischen naturkundlichen Sammlungen. Ausgestellt sind meist aber nur sehr wenige Stücke, der größte Teil des Materials liegt in den Magazinen. Über besonders große Sammlungen verfügen München und Zürich. Das British Museum (Natural History) ist im Besitz der umfangreichen Sammlung Mohr. Die Originalfossilien zu den Werken von Zieten, Quenstedt, Fraas, Oppel und anderen werden in den Museen in Stuttgart und Tübingen gehütet. Sicherlich genossen vor allem die Petrefakten aus der Eisensandsteinserie zumindest bis Mitte des 19. Jahrhunderts bei den damaligen Wissenschaftlern größte Aufmerksamkeit. Daneben erlangte aber noch eine ganze Reihe weiterer Aalener "Lokalitäten" durch den ganzen Jura hindurch Berühmtheit. Das liegt vor allem an der idealen geologischen Situation Aalens. E. Fraas sagt dazu 1912: "Für denjenigen, der den Aufbau unseres Juras kennenlernen will, bleibt Blatt Aalen immer eines der schönsten und beliebtesten Atlasblätter, da hier in ununterbrochener und meist petrefaktenreicher Schichtenfolge ein Normalprofil vom mittleren Keuper bis zum oberen Weißjura in wenigen Stunden durchwandert werden kann." Die meisten dieser Fundplätze liefern auch heute noch Fossilien und waren in den vergangenen Jahren durch Baumaßnahmen gut erschlossen. Aus Platzgründen sollen an dieser Stelle nur die wichtigsten vermerkt werden. Begeisterung bei den Sammlern rufen die brillant erhaltenen "Goldammoniten" hervor,die sogenannten Amaltheen, vielgesuchte Ammoniten des mittleren Schwarzen Jura, meist mit funkelndem Pyrit verziert, aus dem sogenannten Goldbach von Aalen-Reichenbach, eine Stelle, die natürlich dem berühmten F. A. Quenstedt schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt war. Ausgezeichnete Fossilien bietet die Liasplatte nordwestlich von Aalen. 180 Millionen Jahre alte Saurier und Seelilien entdeckte man dort im Ölschiefer, darunter im Jahre 1991 im Neubaugebiet Scheurenfeld Wirbel, Rippen und Flossenteile eines über 10 m großen Fischsauriers, das größte Saurierexemplar, das man bisher aus dem Aalener Raum nachweisen konnte. Die Hammerstädter Ammonitenbreccie, eine Kalkbank, in der unglaubliche Mengen von Ammoniten stecken, steht dort ebenfalls an. Darüber liegt der nach der Stadt Aalen benannte "Aalensismergel", der sich ebenfalls durch einen ungeheuren Reichtum an Ammoniten auszeichnet, die jedoch meist als phosphoritische Steinkerne schlecht erhalten sind. In dieser Schicht findet sich auch der kleine, von Zieten benannte "Ammonites Aalensis" (Pleydellia aalensis), von dem einige schöne Exemplare im Urweltmuseum in Aalens Innenstadt ausgestellt sind. Aufsehen erregten die Sternkorallen von Aalen-Attenhofen aus dem mittleren Braunen Jura, 1864 vom vorher schon erwähnten Berginspektor Schuler in den Jahresheften zur Vaterländischen Narurkunde vorgestellt. An die einstige Erzverhüttung erinnern die großen Steinbrüche des mittleren Weißen Jura rund um den Braunenberg. Dort wurde Kalkstein gebrochen und als Zuschlag bei der Verhüttung des Erzes dem Hochofen im Tal zugeführt. Zahlreiche Sammlungen und Museen bergen vor allem Ammoniten, Schnecken, kleine Krebspaner und anderes Fossilmaterial von diesem Fundpunkt. Zahlreiche Fossiliensammler und Schulklassen machen sich heute noch in der Sommerzeit auf den Weg, um in diese Schaufenster der Urgeschichte zu blicken, Fossilien zu sammeln und ihre geologischen Kenntnisse zu vertiefen. Die geologische Tradition wird bis zum heutigen Tag bei uns im Aalener Raum gepflegt. Regelmäßig versammelten sich in den 20er und 30er Jahren Geologiefreunde in Wasseralfingen. Im Jahre 1961 gründete der Aalener Naturfreund Fritz Sauter eine aktive Amateurgeologengruppe. Mit über 100 Mitgliedern gehört die Geologengruppe Ostalb e. V. heute zu den größten derartigen Vereinen in ganz Deutschland. Wichtige Kongresse fanden hier statt, so 1974 die Tagung der Paläontologischen Gesellschaft und 1990 die 11. Tagung des Oberrheinisch Geologischen Vereins. Große Beachtung fand die Ausstellung "Fossilien aus dem Erz", die die Geologengruppe Ostalb anläßlich des Deutschen Bergmanntages im Juni 1991 in der Greuthalle präsentierte. Im Frühjahr 1992 versammelte sich die europäische Fachgruppe der Motivbriefmarkensammler "Mineralogie und Paläontologie" für eine Woche bei uns. Immer wieder treffen sich in Aalen Wissenschaftler zu Jurakommissionen. Völlig ausgebucht waren in den vergangenen Jahren die von der Jugendherberge veranstalteten Geologiewochen in den Sommerferien und das Geologiewochenende, das die Geologengruppe in Verbindung mit dem Städtischen Verkehrsamt durchgeführt hat. Mit dem Urweltmuseum, dem Besucherbergwerk "Tiefer Stollen", einem Geologischen Pfad und einem Bergbaupfad bietet unsere Stadt herausragende Attraktionen, die das "Mekka der Geologen" für alle naturkundlich Begeisterten auch zukünftig interessant macht.

Ammonit Pleydellia aalensis
Bennant nach der Kreisstadt Aalen

Tongrube der Firma Trost in Essingen
Dogger alpha, Unteraalenium

Ammonit Ludwigia murchisonae
Dogger beta, Oberaalenium

Handstück mit Muschelkonzetration
Dogger beta, Oberaalenium

Klinge unterhalb der Ruine Hohenalfingen
 bei Oberalfingen

Im Frühjahr war beim Bau des Regenüberlaufbeckens
in Röthardt das ober Erzflöz schön aufgeschlossen

Schnecke Pleurotmaria amalthei, Lias delta,
Aalen Reichenbach

Handstück mit Ammoniten der Gattung Dumortiera,
Lias zeta

Großer Steinbruch am Braunenberg