Aus dem Leben des Erdaltertums
Sonderausstellung im Urweltmuseum Aalen bis 31.10.2000:


Links: Aus dem Korallenriff des Mittel-Devons von Sötenich/Eifel
Mitte: Ein Geradhorn aus dem mittleren Ordovicium von China
Rechts: Trilobit aus dem mittleren Kambrium von Anilf/Marokko

Vor gut einer halben Milliarde Jahren wurden die bis dahin das irdische Leben beherrschenden Weichköper-Organismen plötzlich durch Meerestiere abgelöst, die die Fähigkeit zur Bildung mineralischer Skelette oder Gehäuse erlangt hatten. Wenige Dutzend Millionen Jahre später hatte diese "Biomineralisation" eine Fülle von Organismen teils abenteuerlicher Bauart ermöglicht, die das irdische Leben explosionsartig bereicherten. Günstige Veränderungen der Atmosphäre, des Klimas und des Nährstoffangebotes schufen die Voraussetzungen der "Kambrischen Explosion" oder Revolution, die von da an die Basis für eine breite Entfaltung des marinen Lebens bildete. Die Sonderausstellung des Aalener Urweltmuseums zeigt mit Exponaten aus 4 Erdteilen charakteristische Organismen der 6 paläozoischen Epochen Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon und Perm, die in süddeutschen Museen kaum zu sehen sind. Hihglights in der Entwicklung des Lebens sind anhand von Rekonstruktionen veranschaulicht; der Kambrischen Revolution wird besondere Beachtung gewidmet. Das aufregend vielfältige Leben aus einem Zeitraum von 300 Millionen Jahren wird so erstmalig in der Ostalb aus dem Dunkel der Urzeit in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. Der Besucher erfährt hier, wie sich unsere Jura-Ammoniten schrittweise aus gestreckten Nautiliten, von denen man bis zu 9 m lange Gehäuse fand, entwickelten, wie das pflanzliche und danach das tierische Leben das Festland eroberten und dass die Trilobiten vor 470 Millionen Jahren bereits Augen mit 15 000 Einzellinsen besaßen. Er sieht geheimnisvolle "Schriftsteine", die uns heute als Leitfossilien dienen, er bekommt einen Einblick in die phantastischsten Sumpfwälder der Erdgeschichte in der Karbonzeit, und er sieht, dass die riesigen Seelilien unseres Jura bereits Vorläufer am Ende der Silurzeit hatten. Diese wenigen Beispiele der neuen Sonderausstellung sollen auch zeigen, dass die Lebensreste aus unserem jurassischen Schichtstufenland nur einen sehr kleinen Ausschnitt der bewegten Entwicklung des Lebens darstellen und dass es unverzichtbar ist, sich über das Woher, Warum und Seit-Wann in dieser Ausstellung ein Bild zu machen.